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Wirtschaftsprüfer suchen Nachwuchs

Kampf um die Besten

Berufsbild im Wandel: Petra Justenhoven, Vorstand bei PricewaterhouseCoopers, über die Regulierung des Marktes, den Kampf um digitale Talente und die Wirtschaftsprüfung 4.0.
Petra Justenhoven, Vorstandsmitglied bei PwC (Foto: PR)

Wirtschaftsprüfer stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Zum einen tritt die EU-Reform der Abschlussprüfung in Deutschland im Sommer in Kraft, zum anderen führt die Digitalisierung zu einem Transformationsprozess, durch den sich das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers komplett wandelt. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin sprach mit Petra Justenhoven, Mitglied des Vorstands von PricewaterhouseCoopers (PwC), über die Wirtschaftsprüfung der Zukunft und den „War for digital talents“

DUB UNTERNEHMER-Magazin: PwC muss sich einem stärkeren Wettbewerb stellen. Wie werden Sie den Abgang langjähriger Mandate kompensieren?
Petra Justenhoven
: Infolge der EU-Regulierung der Abschlussprüfung erwarten wir für die Prüfungsmandate der kapitalmarktorientierten Unternehmen in den nächsten Jahren eine so nie da gewesene Ausschreibungswelle. Dadurch wird es auch bei PwC Mandatsverschiebungen geben. Im Westen etwa werden wir bis 2024 einige große Prüfungsmandate abgeben müssen. Anders im Süden. Dort wollen wir Mandate gewinnen. Entsprechend unserem Ansatz von der Strategie bis zur Umsetzung betreuen wir unsere Kunden ganzheitlich – ob als Prüfer oder Berater – und fokussieren uns neben den kapitalmarktorientierten Unternehmen auch auf den nicht von der EU-Regulierung betroffenen Mittelstand und Familienunternehmen.

Auch die Digitalisierung sorgt für einen Wandel in der Wirtschaftsprüfung. Wie reagieren Sie?
Justenhoven
: Wurden gestern aufwendige Soll-Ist-Vergleiche angestellt, kommen heute modernste Analysetools zum Einsatz. Aus der stichprobenbasierten Prüfung von Geschäftsvorfällen und Einzelbelegen beispielsweise wird mithilfe unserer IT-Lösungen eine Komplettanalyse des relevanten Datenbestands zur Identifikation auffälliger Einzelfälle. Intelligente Software identifiziert Auffälligkeiten also viel umfassender und schneller – perspektivisch geht die Entwicklung hin zur Vollanalyse. Um die digitalen Potenziale bestmöglich auszuschöpfen, gehen wir strategische Partnerschaften ein. Mit der IBIS Prof. Thome AG etwa entwickeln wir innovative technologische Lösungen für die Jahresabschlussprüfung. Außerdem kooperieren wir bei Zukunftsthemen wie „Big Data & Analytics“, „künstliche Intelligenz“ und „Industrie 4.0“ mit Forschungsinstituten wie der Fraunhofer-Gesellschaft.

Das klingt nach einem Perspektivenwechsel in der Wirtschaftsprüfung. Wie reagieren Sie?
Justenhoven
: Wie bei unseren Mandaten verändern sich durch die Digitalisierung auch die Tätigkeiten von Wirtschaftsprüfern. Und diese Veränderungen sind noch lange nicht abgeschlossen: In einem nächsten Schritt wollen wir beispielsweise dem Thema Real-time Audit einen Schritt näher kommen. Außerdem entwickeln wir Prototypen mit künstlicher Intelligenz, um herauszufinden, wie und in welchen Gebieten wir diese effizient einsetzen können. Durch den Einsatz dieser intelligenten Software schaffen wir Freiräume. Der Prüfer widmet sich so seiner Kernaufgabe noch fokussierter: der Prüfung besonders kritischer und komplexer Themen. Auch in einer digitaler werdenden Welt werden wir weiterhin für Vertrauen sorgen.

Welche Entwicklung beobachten Sie bei Ihren Mandanten? Auch deren Geschäfte unterliegen disruptiven Einflüssen.
Justenhoven
: Die digitale Transformation geht bei vielen unserer Kunden mit der Neuausrichtung des Geschäftsmodells einher. Mit einem ganzheitlichen und integrierten Ansatz helfen wir Unternehmen, ein „digitales Ökosystem“ aufzubauen. Auch hier unterstützen wir von der Strategie bis zur Umsetzung und erweitern dadurch unser Dienstleistungsportfolio um Services, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vermutet: Ein Beispiel dafür sind etwa sogenannte Penetration Tests. Mit diesen simulierten Hackerangriffen können Schwachstellen in den Systemen von Unternehmen identifiziert werden. PwC reagiert auf das Bedürfnis nach Sicherheit in einer vernetzten Welt und trägt dazu bei, für Vertrauen in digitalen Systemen zu sorgen. Diese Aufgaben erfordern neue Kompetenzen. Deshalb suchen wir auch verstärkt junge Talente und Absolventen der sogenannten MINT-Fächer für unsere Prüfungsteams und die Digital-Beratung.

Sie sprechen von neuen Kompetenzen. Welche Skills brauchen Kandidaten für eine PwC-Karriere?
Justenhoven
: Das exzellente Know-how unserer Kolleginnen und Kollegen bleibt auch in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg. Außerdem stellen wir unsere Teams vielfältig auf: Deshalb suchen wir zum Beispiel auch nach Talenten aus dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich. Weiterhin kommt es auch in Zukunft auf Veränderungsbereitschaft und eine starke Persönlichkeit an.

Der „War for digital talents“ ist in vollem Gange. Wie finden Sie die besten digitalen Talente? Justenhoven: Die besten Kandidaten entscheiden sich lange vor dem Abschluss für ihren Wunscharbeitgeber. Wir pflegen deshalb Beziehungen zu Lehrstuhlinhabern und Studierenden an führenden Hochschulen für digitale Talente. Wir bieten spannende Aufgaben in der Prüfung und Beratung. Ein weiteres Asset: Wir beraten Top-Unternehmen bei der digitalen Transformation. Das macht den Arbeitsalltag spannend und abwechslungsreich.

Müssen Sie auch ungewöhnliche Wege gehen, um die Wirtschaftsprüfer von morgen zu finden?
Justenhoven
: Wir stechen in See! Bei unseren „Big Sail Adventures“ bringen wir Studenten unseren Arbeitsalltag näher. Bei dem Segeltörn bearbeiten junge Talente typische Projekte und Aufgaben eines Wirtschaftsprüfers. Das Konzept ist sehr erfolgreich und bei Studenten heiß begehrt.

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