Struktur braucht Zeit

Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die so arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Der Vorstandschef über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

Dietmar Beiersdorfer: Der Vorstandschef der HSV Fußball AG sieht sich als Manager großen Herausforderungen gegenüber (Bild: Daniel Reinhardt/dpa)

Ob er geahnt hat, worauf er sich im Mai 2014 einließ? Dietmar Beiersdorfer zeigt sein kleines Lächeln. „Ich war zum Teil schon überrascht, in welchen Bereichen wir überall an Wettbewerbsfähigkeit verloren hatten“, sagt er. Ist er knapp zwei Jahre und zwei überstandene Relegationen später verzagt? Keineswegs. In hanseatischer Ruhe liegt die Kraft des Franken. So krempelt Beiersdorfer die Ärmel auf und sein Unternehmen, die HSV Fußball AG, um. Stück für Stück und doch komplett. Und das im Profifußball – einer Branche, die wie kaum eine zweite auf kurzfristig sichtbaren Erfolg ausgerichtet ist. Das ist Change Management unter erschwerten Bedingungen. Dass viele Dinge bereits auf den Weg gebracht wurden, geht schon einmal unter. Etwa dann, wenn die Veränderungen von dem noch immer wechselhaften sportlichen Erfolg des Liga-Dinos überschattet werden. Doch Beiersdorfer hält trotz Kritik von außen und alarmierender Bilanzzahlen von innen am Restrukturierungskurs fest. Und wird nicht müde, die Bedeutung einzelner Schritte wie dem von Mitarbeitern und Mitgliedern erarbeiteten einheitlichen Leitbild, zu betonen. Doch nicht nur das Hier und Jetzt treibt den Vorstandschef um, Beiersdorfer denkt auch visionär. Mit Blick auf die Zukunft des Fußballbusiness und die Rolle des HSV darin. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin traf ihn zu einem exklusiven Ortstermin im Volksparkstadion. Ein Chefbüro mit wenig Pomp und viel Sachlichkeit. Ein Gespräch über den Change-Manager und Visonär in dem früheren Bundesligaprofi und Sportchef.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Ausgliederung der Fußballabteilung, personelle Neuaufstellung, Nachwuchsschmiede Campus, neue Investoren – sind all Ihre Maßnahmen zentrale Puzzleteilchen des Bilds, das Ihr HSV langfristig abgeben soll?
Dietmar Beiersdorfer: Ja, denn Hoffnung allein kann nicht die Grundlage sein, um wieder auf Erfolgskurs zu kommen. Daher war die Ausgliederung der große und auch notwendige Schritt vom Verein hin zum Unternehmen. Sie hat uns die Möglichkeit gegeben, den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zukunftsfähig aufzustellen. Damit einher ging natürlich auch die Neuaufstellung der Führungscrew. Ich bin überzeugt davon, dass vieles planbar ist. Aber im Fußball bleibt immer ein gewisser Prozentsatz an Ungewissheit. Diesen gilt es zu minimieren und vorausdenken, doch kurzfristig ist es nicht beeinflussbar, ob die Mannschaft aus den nächsten zehn Spielen drei oder sieben gewinnt. Im Fußball machen gerade auch kurzfristige Ergebnisse das Wohl und Wehe der Clubs aus.

Ist eine mittel- und langfristige Planung überhaupt möglich, wenn die Wahrnehmung des HSV so an kurzfristige sportliche Resultate geknüpft ist?
Beiersdorfer: Wir haben gegenüber Fans und dem Umfeld ganz offen kommuniziert, dass wir den HSV neu aufstellen und ausrichten. Dass wir in erster Linie ein Fußballklub sind steht dabei klarer im Fokus als in den Jahren vorher. Alle anderen Maßnahmen sind dem unterzuordnen. Wir müssen in unserer Kernkompetenz wieder Boden unter den Füßen bekommen. Zeitgleich versuchen wir, intern das Vertrauen und den Zusammenhalt zu stärken. Gerade haben wir aus der Basis des Clubs über die Mitglieder und Mitarbeiter ein gemeinsames Leitbild entwickelt, an dem wir uns orientieren wollen. Sportlich sind wir – das Tagesgeschehen einmal ausgeblendet – weiter in der Phase der Stabilisierung und noch längst nicht am Ziel. Zuversichtlich stimmt mich aber, dass die Menschen um uns weitgehend damit zufrieden sind, wie wir kommunizieren, uns aufgestellt haben und versuchen, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Basis zukünftigen Erfolges ist unsere Geschlossenheit und, dass alle Energie in eine Richtung kanalisiert wird.

Inwieweit behindert das hohe Medieninteresse am HSV den Konsolidierungskurs?
Beiersdorfer: Am Ende schätzen wir uns glücklich, dass so intensiv über uns berichtet wird. Ein Klub unserer Bedeutungsstärke und Ausstrahlung kann nicht darauf hoffen, niemanden zu interessieren. Der HSV ist ein Hamburger Kulturgut. Das rechtfertigt natürlich, dass der Boulevard über unseren Klub und seine Protagonisten in positiver oder negativer Art berichtet. Der Umgang damit ist letztlich Einstellungssache. Darüber hinaus haben wir es ja auch ein stückweit selbst in der Hand, unser Bild in der Öffentlichkeit mitzugestalten – und zwar indem wir nachvollziehbare Entscheidungen treffen und über unsere eigenen Kanäle antizipierend, angemessen und selbstbestimmt berichten. In dieser Hinsicht haben wir uns stark verbessert und werden daran auch in Zukunft weiter arbeiten.

Ist es Ihre Vision, sich zu einer Art Fußballmedienhaus weiterzuentwickeln?
Beiersdorfer: Das haben wir im Blick. Wir haben unsere Social Media-Auftritte ausgebaut, Twitter Facebook et cetera, wir haben unser Monatsmagazin HSVlive aufgewertet, haben eine HSV-App erstellt, wir haben mehr Berichterstattung auf unserem TV-Sender HSVtotal! und wir berichten in kürzeren Zeitabständen über unsere Homepage und haben ein Netradio eingeführt. Der Grund für alle diese Maßnahmen: Wir sehen das auch als Geschäftsmodell. Wir leben im digitalen Zeitalter. Wir wollen die Hoheit über unsere Informationen besitzen und sie über unsere wachsenden Digitalkanäle auch ausspielen, Teile davon wollen und werden wir auch monetarisieren. Hinzu kommt, dass wir sehen, dass man über unseren eingeschlagenen Weg der Kommunikation auch Vertrauen aufbauen kann – wenn eintritt, was man ankündigt und man nicht nur blau-weiß-schwarz eingefärbt berichtet. Gesagt – getan. Wir wollen unserer Leser- und Userschaft objektiv Bericht erstatten.

1 / 2 / 3

Das interessiert andere Leser

  • Firmenmakler Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Frauen im Franchise
    Mehr Möglichkeiten für Frauen im Franchise

    Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands zeigt: Unter den Führungskräften in den Systemen gibt es relativ wenige Frauen. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Town und Country Haus
    Town & Country im Interview

    Town and Country Franchise Leiter Benjamin Dawo erläutert den Erfolg des Geschäftsmodells und spricht über Franchise-Partner, Neugründung und Nachfolge beim Bau Franchise.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Unternehmerische Kompetenz

    Reine Bauchentscheidungen sollten bei der Unternehmensnachfolge vermieden werden. Hier ist unternehmerische Kompetenz gefragt, die sich in vier Ebenen gliedern lässt.

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

  • Die Regeln des Spiels

    Die Franchise-Branche hat ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Tom Portesy, CEO des Franchise-Expo-Veranstalters MFV Expositions, erklärt, was in der Branche zählt.

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Autoreninterview: Außer Kontrolle?

    Frank Schätzing über die Folgen der Künstlichen Intelligenz für Mensch und Gesellschaft. Der Romanautor tritt für ein neues menschliches Selbstbild ein.

  • Haustüren Franchise Expandiert in Deutschland
    Haustüren Franchise auf Expansionskurs

    Pirnar sucht engagierte Verkaufstalente als Franchisenehmer für seine neuen Standorte in Deutschland. Der Produzent ist am 27.-29. September 2018 auf der Franchise-Expo in Frankfurt anzutreffen.

  • Motivation zur Selbstständigkeit
    Gründen 2018 - neue Studie zur Motivation

    Unterscheidet sich der Gründungswunsch nach Altersgruppe? Und was sind die wichtigsten Motivationen und Hindernisse auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Hier erfahren Sie mehr.

  • Franchise im Handwerk

    Die Rahmenbedingungen für Franchise im Handwerk sind gut. Durch Gesetzesänderungen sind viele Franchisesysteme im Handwerk auch für Berufs- oder Quereinsteiger offen.

  • Verkaufsmotiv beim Firmenverkauf

    Die objektive Beurteilung Ihres Verkaufsmotivs ist spielentscheidend für den Verkauf Ihrer Firma.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Sommer im Glas

    Die Vielfalt bei Weinen scheint unermesslich. Und die Qualität steigt stetig. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin befragte ausgewählte Weinhändler nach ihrem Geheimtipp für die warme Jahreszeit.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.

  • Innovative Behandlungsmethoden
    Zukunftsmedizin

    Die privaten Krankenversicherungen sehen sich selbst als Motor für Innovationen – und unterstreichen damit ihre Position im Gesundheitssystem. Was ist dran an dieser Vorreiterrolle?

  • Ebikes, Pedelec und Lastenrad liegen im Trend
    Auf die Räder, fertig, los!

    Fahrrad statt Dienstwagen. Das ist nicht nur gut für die Fitness, sondern schont auch die Umwelt. Zusätzliches Plus: Betrieb und Mitarbeiter sparen dabei Geld.

  • Roland Berger Interview
    Exklusiv: „Übernehmt Verantwortung“

    Audienz bei einer Eminenz. Warum Überzeugungen gerade für Unternehmer entscheidend sind und wie Menschlichkeit zum Erfolgsfaktor wird – Beraterlegende Roland Berger im Tacheles-Talk.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Firmenmakler Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Frauen im Franchise
    Mehr Möglichkeiten für Frauen im Franchise

    Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands zeigt: Unter den Führungskräften in den Systemen gibt es relativ wenige Frauen. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Town und Country Haus
    Town & Country im Interview

    Town and Country Franchise Leiter Benjamin Dawo erläutert den Erfolg des Geschäftsmodells und spricht über Franchise-Partner, Neugründung und Nachfolge beim Bau Franchise.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Unternehmerische Kompetenz

    Reine Bauchentscheidungen sollten bei der Unternehmensnachfolge vermieden werden. Hier ist unternehmerische Kompetenz gefragt, die sich in vier Ebenen gliedern lässt.

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

  • Die Regeln des Spiels

    Die Franchise-Branche hat ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Tom Portesy, CEO des Franchise-Expo-Veranstalters MFV Expositions, erklärt, was in der Branche zählt.

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Autoreninterview: Außer Kontrolle?

    Frank Schätzing über die Folgen der Künstlichen Intelligenz für Mensch und Gesellschaft. Der Romanautor tritt für ein neues menschliches Selbstbild ein.

  • Haustüren Franchise Expandiert in Deutschland
    Haustüren Franchise auf Expansionskurs

    Pirnar sucht engagierte Verkaufstalente als Franchisenehmer für seine neuen Standorte in Deutschland. Der Produzent ist am 27.-29. September 2018 auf der Franchise-Expo in Frankfurt anzutreffen.