Im Gespräch mit Messemacher Tom Portesy

Franchise Expo in Deutschland

Franchise in Deutschland - Das Interesse an einem partnerschaftlichen Business steigt. Deshalb ist die Zeit reif für die erste überregionale Franchise Expo, so Veranstalter Tom Portesy.

Franchise Expo Frankfurt Veranstalter Tom Portesy

Tom Portesy: ist Präsident und CEO der MFV Expositions und veranstaltet seit mehr als 25 Jahren Franchisemessen in den USA, Europa und in Japan (Foto: PR)

Deutschland bietet im September eine neue überregionale Franchisemesse. Veranstalter ist MFV Expositions, einer der größten internationalen Franchise-Messeveranstalter. Die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ist Medienpartner.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was motiviert Menschen, sich mit einem Franchisegeschäft selbstständig zu machen?

Tom Portesy: Viele wollen sich in ihren Vierzigern beruflich verändern und den Berufsalltag selbst gestalten. Doch nicht jeder hat eine gute Geschäftsidee. Da bietet der Franchisemarkt eine Fülle von etablierten und neuen Systemen, mit denen man sich selbstständig machen kann, aber eben nicht allein ist. Das Miteinander ist ein großer Wert im Franchising.

Wie schätzen Sie den deutschen Franchisemarkt ein?

Portesy: Nach den aktuellen Zahlen des Deutschen Franchiseverbands haben die bundesweit rund 970 Franchisesysteme knapp 124.000 Franchisepartner, das sind 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Es gibt also einen Wachstumstrend. Das liegt zum einen sicher am Trend zur Individualisierung, sodass sich selbstständig zu machen weiterhin zunehmend eine Option sein wird. Zum anderen legt der Trend zum Teilen es nahe, auch das eigene Business via Franchise zu teilen.

In Deutschland gründen Franchisenehmer nicht selten, weil sie auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr sehen. Was motiviert die Leute in den USA zur Gründung?>

Portesy: Wir beobachten in Europa auch andere Entwicklungen. So wird der Trend zu Individualisierung dazu führen, dass immer mehr Menschen die Option, sich selbständig zu machen und das eigene Business zu starten, wählen werden. Sie merken, dass es eine Freude sein kann, sein eigener Chef zu sein. Wir verwenden daher in unserer Werbelinie für die Expo zwei Claims: “Mach dein eigenes Ding” und “Mein Leben hat sich verändert”, mit denen wir diesen Trend abbilden wollen. Zum anderen bringen uns die Jüngeren die Lebenseinstellung des Teilens oder “Sharen” nahe. Sie „sharen“ heute Wohnungen, Autos, Werkzeuge bis hin zur Großmutter. Da liegt es nahe, auch das eigene Business zu teilen. In den USA haben wir noch eine dritte Komponente, die sich hier ganz allmählich auch verbreitet: den Gedanken, durch eigene Leistung erfolgreich zu werden. Die Chance, durch Franchising erfolgreich zu werden, ist natürlich sehr hoch.

Franchise hat in den USA eine viel längere Geschichte als in Europa. Was können europäische und deutsche Franchisesysteme von amerikanischen lernen?

Portesy: Ich glaube, der wichtigste Punkt ist, dass Franchiseunternehmen langfristig planen sollten. Unternehmen, die ihre Strategie primär auf dem Profit aus Franchiseverkäufen aufbauen, haben es sehr schwer, erfolgreich zu werden. Die Einnahmen durch den Verkauf einer Franchiselizenz sollten allerdings die Ausgaben für Werbemittel zur Leadgewinnung von potenziellen Franchisenehmern, die Provision für den Vertrieb und die endgültige Eröffnung der neuen Einheit abdecken. Die finanzielle Grundlage für ein starkes Franchisesystem sollte auf Einnahmen von Lizenzgebühren ausgerichtet sein, denn das ermöglicht dem Franchisegeber, seinen vollen Fokus auf das Wachstum der Franchisekette zu richten.

Eine überregionale Franchisemesse gab es in Deutschland lange Zeit nicht. Wie viele und welche Art von Besuchern erwarten Sie?

Portesy: Zum einen wird Frankfurt als internationaler Business-Hotspot viele Besucher bringen, zum anderen erwarten wir zudem Besucher aus den anderen Bundesländern, da wir neben den deutschen auch internationale Systeme präsentieren. Wir wollen potenzielle Gründer sowie bestehende Unternehmen und Franchisenehmer und Investoren ansprechen. Für Unternehmer, die wachsen wollen, stellt Franchising eine sehr interessante Möglichkeit dar.

Welche Mischung aus US-, europäischen und deutschen Ausstellern erwarten Sie auf der Franchise-Messe?

Portesy: Insgesamt rechnen wir mit 125 bis 150 Ausstellern. Die meisten davon werden deutsche Franchise-Konzepte sein. Wir erwarten jedoch etwa 20 Aussteller aus den USA und weitere fünf bis 15 aus anderen europäischen Ländern.

Welche Art von Rahmenprogramm ist  besonders hilfreich für potenzielle Franchisegründer?

Portesy: Wir sprechen in unserer Messewerbung nicht nur Menschen an, die sich für eine Franchisegründung interessieren. Wir richten uns auch an etablierte Unternehmen und Franchisenehmer sowie an Investoren. Die Franchise Expo Frankfurt soll ein Treffpunkt für die gesamte Wirtschaft sein. Wir wissen von unseren anderen Messen, dass für Unternehmer, die wachsen wollen, Franchising eine sehr interessante Möglichkeit darstellt. Damit wird die Messe für viel mehr Zielgruppen relevant. Für all diese unterschiedlichen Besucher bereiten wir ein umfangreiches Konferenzprogramm vor.

Manche Franchise-Systeme sind erklärungsbedürftiger als andere. Für welche ist die Messe besonders geeignet?

Portesy: Die Franchise Expo bietet für alle Franchise-Systeme eine gute Möglichkeit, neue Franchisepartner zu finden und ihre Marke zu präsentieren. Zudem ist die Franchise Expo die einzige überregionale Franchisemesse in Deutschland.

Können Sie sich vorstellen, die Franchise Expo regelmäßig zu veranstalten?

Portesy: Ja, wir rechnen damit, dass es eine jährliche Veranstaltung wird. Deutschland verfügt über eine der anspruchsvollsten Franchise-Industrien, die größte Bevölkerung und die stärkste Wirtschaft in Europa. Deshalb sollte es hier eine Franchise Expo auf höchstem internationalem Standard geben. Wir freuen uns, dass wir unsere Vision mithilfe des Deutschen Franchiseverbands verwirklichen können.


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