Franchise ohne Eigenkapital

Guter Start in die Selbständigkeit?

Unternehmer zu sein hat viele Vorteile: Der Arbeitserlös fließt direkt in die eigene Tasche; wer Chef ist, kann Prioritäten setzen. Ist es so, dass jeder Günder Eigenkaptial benötigt?

Eine Form der Geschäftsgründung umgeht diese Hürde – Franchise. Ohne Eigenkapital Franchise Partner zu werden ist ähnlich wie der Kauf eines Hauses ohne einen eigenen Cent: Es ist möglich, aber mit Risiken behaftet. Für diese Option stehen Bürgschaftsbanken und Förderinstitute bereit, die vielfältige Programme zur Existenzgründungsförderung aufgelegt haben.

Investition und Franchisegebühren

Jeder potenzielle Franchise Partner, der über kein eigenes Eigenkapital verfügt, muss sich dies bewusstmachen: Die Finanzierung von Franchise ohne Eigenkapital wird erschwert und die Auswahl an Franchisesysteme ist reduziert. Üblicherweise wird vor allem der Kreis der Anbieter aus der Gastronomie und dem Einzelhandel kleiner, bessere Einstiegsmöglichkeiten finden sich dagegen im Dienstleistungssektor.

Die Franchise-Gründer nutzen eine Geschäftsidee, die sich bereits am Markt etabliert hat. Notwendige Expertise gibt es dazu. Fehlt nur das Geld. Zwar müssen Franchisenehmer Gebühren an ihr System zahlen, doch die orientieren sich meist am Umsatz. Heißt: Wer noch keinen Umsatz erzielt, braucht nichts zu zahlen. Das klingt nach Selbstläufer, zeigt aber, dass ein Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital zu gründen, durchaus realistisch ist. 

Kann ich ohne Eigenkapital Franchise-Partner werden?

Ein Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital zu gründen, ist möglich. Im Gegensatz zu einer kompletten Neugründung gibt es verschiedene Möglichkeiten, als Franchisenehmer ohne viel eigenes Kapital zu starten. Zunächst die Anfangsinvestitionen: Für ein Fitnessstudio müssen Geräte angeschafft, für ein Restaurant ein Lokal renoviert und eingerichtet werden, das kostet und muss vom Franchisenehmer - Franchise Partner - selbst gestemmt werden. Doch es gibt Geschäftsmodelle, für die kaum Investitionen notwendig sind:

Für Dienstleistungen wie Nachhilfe oder Immobilienvermittlung braucht man zunächst nur ein Büro, das sich auch in der eigenen Wohnung befinden kann. Also kaum Investitionen. Daneben wird oft eine Einstiegsgebühr für das Franchise-System fällig. Gründer kaufen sich damit die Eintrittskarte in das System. Dafür können sie auf eine Marke bauen, die im Markt bekannt ist, und nutzen die Expertise des Franchisegebers beim Geschäftsaufbau. Die Höhe der Gebühr variiert zwischen 1.500 und 50.000 Euro. Je wertvoller die Marke und damit die Chance auf gute Umsätze, desto höher fällt diese Gebühr aus. Allerdings gibt es auch Franchisesysteme, die ihre neuen Franchise-Gründer bei der Franchise-Finanzierung unterstützen, aber keine Einstiegsgebühr verlangen. Sie lassen sich diese Leistung durch andere Gebühren entlohnen.

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Wie wird der Franchisegeber beteiligt?

Unabhängig davon, ob eine Einstiegsgebühr fällig ist, erhebt der Franchisegeber regelmäßig Werbe- sowie Franchisegebühren.

  • Werbegebühr
    Mit der Werbegebühr werden, wie der Name nahelegt, alle Marketingmaßnahmen finanziert, die das Franchisesystem zentral entwickelt und durchführt, etwa Fernseh-Werbespots oder Anzeigen in Zeitschriften, und die somit allen Franchisenehmern zugutekommen. Ihre Höhe orientiert sich am Umsatz des Geschäfts und liegt zwischen einem und zwei Prozent. Mitunter heißt die Werbegebühr auch Marketingpool oder Marketingfonds.
  • Franchisegebühr
    Die Franchisegebühren sind meistens höher und können schon mal bis zu zehn Prozent des Umsatzes betragen. Sie werden fällig für alle übrigen Leistungen, die Franchisegründer vom Franchisegeber erhalten. Das fängt bei regelmäßigen Schulungen zu Managementthemen, Marktneuheiten oder Gesetzesnovellen an, geht über die laufende betriebswirtschaftliche oder juristische Betreuung und reicht bis zur Nutzung der Software, die speziell für ein System entwickelt wurde.

     

Franchise-Berater Herr Neuschulten und Herr Wingral, Vorstand der Global Franchise AG:

Franchise-Berater Herr Neuschulten und Herr Wingral, Vorstand der Global Franchise AG:

Franchise-Berater Stephan Neuschulten sagt: "Es gibt auch das Modell eines fixen Betrags, etwa 500 Euro im Monat, unabhängig vom Umsatz. Zum Geschäftsstart kann das schmerzlich viel sein, weil eben noch wenig Umsatz erzielt wird. Erst wenn der Laden gut läuft, ist das die günstigere Variante. Für den Unternehmenserfolg sind allerdings die ersten Jahre entscheidend. An dieser Stelle entsteht die Frage: Ist es nicht günstiger, sich ohne System selbstständig zu machen? Dann spart sich der Gründer die Gebühren und alles landet im eigenen Geldbeutel."

Reinhard Wingral, Vorstand der Global Franchise AG, sagt: "Das stimmt allerdings nur rechnerisch, nicht aber faktisch. Denn auch unabhängige Unternehmer müssen für ihr Geschäft werben, brauchen eine Software und wollen sich regelmäßig weiterbilden. Die Kosten, die dabei entstehen, liegen meist deutlich über den Beträgen, die bei einem Franchisegeschäft als Gebühren anfallen."

Neuschulten, der neben seiner Beratertätigkeit selbst als Franchisenehmer mehrere Fitnessstudios betreibt, führt einen weiteren Punkt an: "Neben den Investitionen und Gebühren muss der Gründer etwa ein halbes Jahr seinen Lebensunterhalt bestreiten können, bevor er mit seinem Geschäft ausreichende Gewinne erzielt. Erspartes braucht er in jedem Fall."

Fördermittel als Startkapital

Fördermittel zur Existenzgründung erhalten Gründer etwa von der KfW-Bank. Dafür brauchen sie vor allem ein gutes Konzept, was Franchisegründer leicht vorweisen können, ihr Geschäftsmodell ist ja bereits erprobt. Banken verlangen ebenfalls Sicherheiten in Form von Eigenkapital, auch dafür gibt es eine Lösung: Die Bürgschaft einer Bürgschaftsbank gilt aus Bankensicht ähnlich wie Eigenkapital.

Wie wird man als Gründer erfolgreich?

Wer kein Geld hat, kann also trotzdem ein Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital gründen. Wer sich nur aufgrund niedriger Anfangsinvestitionen für ein Geschäftsmodell entscheidet, macht etwas falsch. Neuschulten, der schon rund 2000 Franchisegründer begleitet hat, sagt: "Einen Kredit bekommen Gründer, wenn sie von ihrem Unternehmen überzeugt sind." Das heißt im Umkehrschluss: Wer auf Nummer sicher geht und nichts investiert, ist möglicherweise nicht überzeugt von seinem Plan. „Viele Gründer, die mit wenig Eigenkapital klein anfangen, bleiben auch klein. Wer aber Geld in die Hand nimmt, hat oft schneller Erfolg.“ Was anders herum indes nicht heißt, dass hohe Anfangsinvestitionen den Erfolg garantieren. Damit der Start im Franchise gelingt, ob mit oder ohne Eigenkapital, müssen Gründer viel Energie in ihr Geschäft stecken. Und sie müssen risikobereit sein.