Share Deal oder Asset Deal?

Ein Unternehmen soll verkauft werden. Dabei kann zwischen zwei Eigentumsübertragungen ausgewählt werden. Ob Share Deal oder Asset Deal: Beide Formen haben ihre Vor- und Nachteile.

Alljährlich stehen Tausende Firmen in Deutschland zum Verkauf. Der Käufer muss zunächst entscheiden, ob die Transaktion durch einen sogenannten Share Deal oder einen Asset Deal durchgeführt werden soll. Um die richtige Wahl zu treffen, muss der Kaufinte¬ressent zunächst die Zielfirma durch eine Due Diligence analysieren und insbesondere Abschreibungsvolumen, Haftungsrisiken und wirtschaftliche Stabilität ermitteln.



Share-Deal Definition

Share Deal

Beim Share Deal, der beliebtesten Form der Unternehmensverkäufe, übernimmt der Käufer die Gesellschaftsanteile des Unternehmens. Im beispielhaften Fall „GmbH verkaufen“ wird der Käufer damit also zum Gesellschafter.

Keine Folge hat der Kauf für die Bilanz, denn die Firma wird vollständig inklusive aller Verträge, Forderungen, Verbindlichkeiten sowie sonstiger Rechte und Pflichten übernommen. Manchmal wird allerdings ein Sonderkündigungsrecht formuliert, das im Fall eines Gesellschafterwechsels eintritt. In einem derartigen Fall ist es essentiell, die Vertragspartner früh genug und ausreichend zu informieren, um einen Gebrauch des Kündigungsrechts zu vermeiden.

Share Deal: Die Vorteile

Die Vorteile

Es handelt sich um eine einfache Transaktion, die schnell umgesetzt werden kann: Das ist der größte Vorteil des Share Deal. Der Kaufgegenstand, also das Unternehmen, ist leicht für den Käufer zu erfassen, die Verträge müssen nicht angetastet werden. Generell gilt: Wenn keine Krise im Anmarsch ist, ist der Share Deal die bessere gewählte Alternative. Da beim Share Deal der Erwerber alle Haftungsrisiken und Verbindlichkeiten mit kauft, sind spezielle Haftungsregelungen im Vertrag aber nötig. Diese stellen sicher, dass der Verkäufer auch für den Bestand und die Beschaffenheit der vom Käufer erworbenen Vermögensgegenstände haftet.

Wenn das übernommene Unternehmen allerdings in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt oder es gar vor der Pleite steht, ist der Käufer in der Pflicht, gegebenenfalls Insolvenzantrag zu stellen. Das macht den Share Deal in der Krise unattraktiv.

Share Deal: die Nachteile

Die Nachteile:

Der größte Nachteil ist der, dass der Käufer „die Katze im Sack“ kauft, also inklusive möglicher Verbindlichkeiten. Außerdem hat der Käufer keine Optionen, den Kauf von Firmenanteilen abzuschreiben. M&A-Experten raten deshalb dringend dazu, vor der Vertragsunterzeichnung bestimmte Haftungsregelungen festzuschreiben.


Vorsicht bei Change-of-Control-Klauseln

Zudem muss dem Käufer klar sein, dass das gekaufte Unternehmen nicht automatisch Eigentümer aller Vermögensgegenstände ist. Diese können, wie in der Praxis häufig vorkommend, geliehen, geleast oder unter Eigentumsvorbehalt gekauft worden sein.

Nur: Die Verträge, die das gekaufte Unternehmen mit Dritten unterzeichnet hat, gelten im Fall des Share Deal grundsätzlich weiter. Eben jene Verträge beinhalten häufig sogenannte Change-of-Control-Klauseln, die den Vertragspartner im Fall des Firmenverkaufs ermächtigten, zu kündigen.

Nicht zuletzt: Im Geschäftsbetrieb lauern bisweilen operative Risiken, etwa in Form von Rechtsstreitigkeiten. Sämtliche dieser Fallstricke werden im Rahmen Due Diligence von dem Käufer gecheckt und bei der Gestaltung des Kaufvertrages, durch entsprechende von dem Verkäufer abzugebende Garantien, geregelt.


Asset Deal

Wer einen Firmenkauf à la Asset Deal durchführt, kauft das dem Unternehmen gehörende Vermögen und übernimmt alle Wirtschaftsgüter, wie etwa Produktionsanlagen, Grundstücke, Gebäude, Einrichtungen, Vorräte und Patente, sowie alle Verträge und Verbindlichkeiten des Unternehmens.

Asset Deal: die Vorteile

Die Vorteile:

Den entscheidenden Vorteil versinnbildlicht man sich am besten durch den Einkauf in einem Supermarkt. Hier nimmt der Käufer nur die Ware aus dem Regal, die er mag und die qualitativ in Ordnung ist. So in etwa ist das auch beim Asset Deal. Bei der Auswahl von Produktionsanlagen, Grundstücken oder IT-Systemen kann der Käufer in dieser Transaktionsform jeden Vermögensgegenstand genau prüfen. Dadurch erwirbt der Investor nur Vermögensteile, die seinem Befinden nach werthaltig sind. Das Risiko eines Fehlkaufs lässt sich dadurch also stark verkleinern.

Zudem erfährt der Käufer durch die Analyse ob und wenn ja welche Verpflichtungen auf einen warten. Teilweise kann der Käufer diese Verpflichtungen beim Käufer lassen, denn im Asset Deal haftet der Verkäufer für die im Unternehmen begründeten Verpflichtungen. Ausnahme sind die vor dem Verkauf in dem jeweiligen Firmenteil entstandenen betrieblichen Steuern. Für diese haften Käufer und Verkäufer.

Dieses Herauspicken von einzelnen Vermögensgegenständen macht sich auch vorteilhaft bei einer bereits eingetretenen Insolvenz bemerkbar. Ist die Pleite der gekauften Firma Realität, haftet der Käufer nämlich nicht für Verbindlichkeiten gegenüber den beim Betriebsübergang übernommenen Arbeitnehmern. Außerdem greifen beim Insolvenzverwalter Sonder-kündigungsrechte bei Dauerschuldverhältnissen, somit können langfristige vertragliche Verpflichtungen aufgelöst werden und Haftungsrisiken zumindest teilweise vermieden werden.

Asset Deal: die Nachteile

Die Nachteile:

Der größte Nachteil beim Asset Deal ist der Aufwand, der mit der komplexen Prüfung eines jeden Kaufgegenstandes einhergeht. Allein durch die Prüfung der Arbeitsverträge entsteht ein großer Verwaltungsaufwand, der das Kaufverfahren deutlich verlängert. Um korrekt zu arbeiten, sollten dem Vertragswerk diverse Anlagen und Listen beigefügt werden, in denen die zu übertragenden Assets aufgelistet sind.

Schlichte Formulierungen wie „übertragen werden alle zum Geschäftsbetrieb erforderlichen Vermögens¬gegenstände” sind nicht ausreichend. Genannt werden muss dagegen jede Betriebsstätte und jeder dazugehörige Arbeitsvertrag.


Steuerliche Bewertung

Obacht bei der steuerlichen Bewertung

Anspruchsvoll ist überdies die Übertragung der immateriellen Vermögenswerte. Gewöhnlich sind hiermit die gewerblichen Schutzrechte wie Marken und Patente und das allgemein im Unternehmen angesammelte Wissen gemeint. Herausfordernd ist nicht nur deren unternehmerische und steuerliche Bewertung, auch die korrekte Bezeichnung ist nicht leicht.

Zu beachten ist zudem, dass bei der Einzelübertragung von Vermögensgegenständen Formvorschriften eine große Rolle spielen. So muss ein Notar den gesamten Asset-Deal-Kaufvertrag absegnen, wenn das Betriebsgrundstück mitübertragen werden soll.

Kniffelig ist der Asset Deal auch durch die Zustimmung eines jeden einzelnen Vertragspartners. Werden Verträge übergeleitet, bedarf es der Zustimmung jedes einzelnen Vertragspartners des Verkäufers. Stimmt auch nur einer dieser Vertragspartner nicht zu, gehen die Verträge nicht auf den Käufer über.

Ausgenommen davon ist nur der Betriebsübergangs gemäß § 613 a BGB. Der Paragraph sorgt dafür, auch im Falle eines Asset Deals alle Arbeitsverhältnisse automatisch auf den Käufer über, ohne dass dieser das merken muss. Die Klärung, ob ein Betriebsübergang vorliegt, ist im Einzelfall nicht leicht zu klären. Falls dieser vorliegt, sind die Arbeitnehmer dazu zu informieren. Diese dürfen dann dem Betriebsübergang innerhalb einer bestimmten Frist widersprechen. Die Folge: Ihre Arbeitsverhältnisse gehen nicht auf den Käufer über.