Der Insolvenzplan - Insolvenz als ein strukturierter Neubeginn

Bislang bedeutete Insolvenz in der Regel die endgültige Liquidation des Unternehmens zur Befriedigung der Gläubiger. Durch die Neuregelung des Insolvenzrechts kann seitdem ein Insolvenzverfahren auch unter der Prämisse der Unternehmensfortführung durchgeführt werden.
Der Insolvenzplan - Insolvenz als ein strukturierter Neubeginn
Der Insolvenzplan: Mit Überblick und Planung das System wieder hoch fahren

Grundsätzlich besteht im neuen Insolvenzrecht die Möglichkeit das Insolvenzverfahren mit oder ohne Insolvenzplan durchzuführen. Wird auf die Erstellung eines Insolvenzplanes verzichtet, so erfolgt die Liquidation des Unternehmens wie bisher durch Verwertung der Insolvenzmasse. Entscheidet sich der Insolvenzverwalter jedoch zur Erstellung eines Insolvenzplanes so stehen ihm grundsätzlich drei alternative Szenarien zur Auswahl:

• Der Insolvenzplan als Liquidationsplan

• Der Insolvenzplan als Übertragungsplan (Sanierung im Rahmen einer Firmenübertragung)

• Der Insolvenzplan als Reorganisationsplan (Sanierung)

Ein Sanierungsplan sieht in erster Linie eine Reorganisation des Unternehmens vor. Hiermit verbunden ist in erster Linie die Zuführung neuer Liquidität. Dies sollte im Wesentlichen aus dem Kreis der Gesellschafter erfolgen. Oftmals wird jedoch diese Finanzkraft nicht ausreichen um die Sanierung zu finanzieren. Daher werden regelmäßig auch die Unternehmensgläubiger in den Sanierungsprozess einbezogen.

Da diese jedoch oftmals nicht mehr bereit sind, dem Unternehmen neue Mittel zur Verfügung zu stellen, da deren Rückzahlung angezweifelt wird, besteht deren Finanzierungsbeitrag i.d.R. darin, die bereits ausgereichten Finanzmittel zu stunden, bzw. einen Verzicht hierüber auszusprechen.

Diese Vorgehensweise beinhaltet für die Beteiligten mehrere Vorteile

1. Die erzielbare Quote hinsichtlich der Gläubigerverbindlichkeiten fällt in der Regel wesentlich höher aus

2. Unternehmensspezifisches Know-how wird nicht zerschlagen sondern bleibt erhalten

3. Bestehende Geschäftsverbindungen können weiterhin genutzt werden

Der Insolvenzplan soll allen Beteiligten die Möglichkeit geben, Insolvenzen flexibel und wirtschaftlich effektiv abzuwickeln.

Vorteile des Schuldners

• Eigeninitiative bei der Wahl des Insolvenzplanes und bei der Durchführung

• Autonome Verhandlungen mit den Gläubigern bezüglich der Gestaltung der Insolvenz innerhalb des Insolvenzplanes statt Fremdbestimmung

• Zeitnahe Bestätigung über die Sanierungsbestrebungen

• Sicherheit bezüglich der eigenen wirtschaftlichen und beruflichen Perspektiven

• Unternehmen bleibt bei bestätigtem Insolvenzplan eventuell in dessen Eigentum

• Haftungsansprüche können ausgeschlossen werden

• Idealtypisch kann eine Sanierungsplanung im Rahmen der Insolvenzplanung ohne neues Kapital durchgeführt werden

• Befreiung aus der persönlichen Haftung seitens der Gesellschafter

Vorteile der Gläubiger

• Insbesondere unbesicherte Gläubiger erhalten höhere Quoten als in der normalen Abwicklung

• Die Quoten stehen innerhalb kurzer Zeitspannen fest (meist ca. 2 bis 6 Monate nach Verfahrenseröffnung) und werden zur ersten Auszahlung gebracht

• Rückzahlung aus zukünftigen Überschüssen führt zu höheren Rückzahlungsbeträgen als bei Zwangsabverkauf unter Zerschlagungsaspekten (aufgrund Liquidationsabschlag)

• Aktive Mitbestimmung bei der Insolvenzgestaltung – initiativ gesteuerte Vorgehensweise und Ausnutzung des jeweiligen Know-hows der Gläubiger

• Erhalt des Unternehmens und damit den Wert der Geschäftsanteile

Der Insolvenzplan als innovative rechtliche Möglichkeit zur Restrukturierung von Unternehmen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sowohl den Unternehmern selbst als auch allen Gläubigern die Option liefert, insgesamt eine Lösung zu entwickeln, die langfristig dazu dient, alle involvierten Seiten durchweg besser zu stellen, als dies im Falle einer klassischen Insolvenz (Liquidation) erfolgen könnte.

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Gastautor

Franco Ottavio Mathias
Geschäftsführer der /// HCM Human Consult Management GmbH & Co. KG

Franco Ottavio Mathias

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