Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

"Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte"

Teil 2 des Interviews mit Dr. Christian Reitwiessner, Leiter C++-Entwicklung Ethereum.

Dem Bankenkonsortium R3 könnte daran gelegen sein, eine banken- und finanzdienstleisterinterne Blockchain zu etablieren. Wie würden Sie zu dem Vorhaben stehen?
Reitwiessner:
Ich halte es für eine sehr gute Sache, wenn die Blockchain-Technologie genutzt wird, um sich gegen Manipulationen zu schützen und dem Kunden gegenüber Transparenz zu zeigen. Das Tolle an derartigen privaten Blockchains ist, dass, sobald man Smart Contracts auf der Blockchain hat, diese miteinander kommunizieren können. Das heißt, nur weil die Blockchain ‚privat’ heißt, muss sie nicht zwingend privat bleiben. Sie kann sozusagen in die öffentliche Blockchain überfließen. Unterm Strich wäre ein Wechsel der Banken und Finanzdienstleister zu Blockchain-Lösungen jedenfalls besser als das, was sie gerade machen. Und: Selbst wenn Ethereum als private Blockchain benutzt wird, hilft es der Weiterentwicklung der öffentlichen Blockchain. Es ist wie bei Wikimedia: Das unterliegende System wird von vielen verschiedenen Anwendungen genutzt und davon profitiert letztlich die ganze Plattform.

R3 zufolge wird es noch drei bis fünf Jahre dauern, bis sich Blockchain-Produkte auf dem Massenmarkt durchgesetzt haben. Welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen erwarten Sie, wenn es so weit ist?
Reitwiessner:
Das ist eine relativ große Sache. Wir benötigen da eine gesellschaftliche Debatte, gerade im juristischen Bereich. Denn ein Smart Contract macht genau das, wofür er programmiert wurde. Er lässt sich nicht nachträglich ändern. Verursacht der Smart Contract etwas Illegales, stellt sich die Frage, was dann passieren soll. Zweitens: Wann sind Smart Contracts illegal? Welche Gerichtsbarkeit ist zuständig? Die Rechtssysteme, die wir jetzt haben, sind immer auf bestimmte Territorien beschränkt. Smart Contracts hingegen sind überall und nirgends. Im Bereich des Autonomen Fahrens haben wir eine ganz ähnliche Diskussion.

Heartbleed, Buffer Overflows, Denial-of-Service-Angriffe: Software ist nicht unfehlbar. Gerade Smart Contracts könnten mit steigender Komplexität an Fehlerpotenzial zunehmen. Wie sicher und stabil sind sie wirklich?
Reitwiessner:
Das Problem sehen wir <lacht>. Wir haben da verschiedene Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken. Zudem sollte man sich immer darauf konzentrieren, möglichst kleine Smart Contract zu programmieren, die genau auf ihre Verwendung abgestimmt sind. Die Komplexität entsteht dann erst durch die Interaktion dieser Bausteine. Die zweite Sache ist, dass wir wie jedes gute Softwareprojekt umfangreich testen. Wir haben auch fest vor, einen sogenannten formalen Verifikationsmechanismus anzubieten. So kann man automatisch mathematische Beweise darüber führen, ob ein Smart Contract das tut, was er zu tun behauptet.

Wo ein Ethereum-Vertreter auftritt, scharen sich meist begeisterte Banker um ihn. Dabei werden Blockchain-Technologie und Smart Contracts häufig als höchst disruptiv für die Branche angesehen – brandgefährlich also. Wie stark wird Ethereum die Finanzwelt verändern?
Reitwiessner:
Auf einer Skala von eins bis zehn? <lacht>

Ja, gern!
Reitwiessner:
Gute Frage. Zunächst glaube ich, dass man sich nicht allein auf die Finanzbranche beschränken sollte. Ob notarielle Beglaubigungen, Clearings, Settlements oder was auch immer – ist es als Programm kodierbar, bietet es riesiges Potenzial für Veränderungen. Man wird sehen, auf welche Art und Weise das dann passiert. Bei Überweisungen und Krediten dürfte eine Möglichkeit sein, dass die Kunden die Bank verlassen und stattdessen Peer-to-Peer-Transaktionen durchführen. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich die Banken die Technologie aneignen und daraus möglichst großen Nutzen schlagen.

Welche Art von Unternehmen profitiert am ehesten von der Blockchain?
Reitwiessner:
Solche, die jetzt früh in die Blockchain-Technologie einsteigen. Aber ich hoffe, dass letztlich nicht nur Unternehmen profitieren, sondern vor allem die Benutzer.

Hier geht es zu den Seiten der Ethereum Foundation.

1 / 2

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Wladimir Klitschko gewährt einen Einblick in seine Pläne für die Karriere nach dem Sport.

    Wladimir Klitschko im Interview

    Der erfolgreichste Box-Schwergewichtler aller Zeiten über die Karriere nach der Karriere.

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.

    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Das neue DUB UNTERNEHMER-Magazin ist da

    Exklusiv am Kiosk, in Handelsblatt und in WirtschaftsWoche: Weltmeister Wladimir Klitschko verrät sein Erfolgsgeheimnis. Dazu: fünf Megatrends, die Sie kennen müssen.

  • Wer ein Unternehmen gründen oder kaufen will, braucht Geld – zu möglichst niedrigen Zinsen.

    Wenn die Hausbank Nein sagt

    Ihre Bank will Ihnen keinen Gründerkredit geben? Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen! So kommen Sie trotzdem an günstiges Startkapital.

  • Wie fit sind die Krankenkassen?

    Der Chef der größten deutschen Krankenkasse spricht über Zukunftsszenarien – nicht alle sind rosig.

  • Colin Berr

    Gefragte Mentoren

    „Jedes Team braucht einen guten Mentor“, weiß der Milliardär und Entrepreneur Richard Branson. Warum das auch für kleine Unternehmen zutrifft.

  • Am Ziel vorbei

    Teamarbeit ist ein Erfolgsfaktor. Doch was tun, wenn das Zusammenwirken hakt? Das gängige Rezept: ein gemeinsamer Ausflug. Aber hilft das?

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

  • Ideen innen und aussen

    Beim Innovationsforum 2015 in Frankfurt am Main sprachen vier Konzernlenker darüber, welche Quellen sie anzapfen, um neue Ideen zu generieren.

  • Aufs große Spielfeld

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sagt, was passieren muss, damit Europa nicht den Anschluss verliert.

  • Was bleibt, was kommt

    Ob Digitalisierung, Mobilität, Demografiewandel – Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich dem globalen Wandel stellen.

  • Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen.

    Weg mit dem Server

    Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Zwei Experten sagen, wie sie am besten eingeführt wird.

  • Über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und das Ende des klassischen Beratungsgeschäfts.

    Roboter statt Banker

    Prof. Dr. Martin Hellmich über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und wie Mittelständler von den neuen Angeboten profitieren.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.

    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Die Entdeckung Europas

    Aus AG wird SE - Immer mehr deutsche Firmen werden ihrer Rechtsform nach europäisch. Die Vorteile: mehr Flexibilität beim Management, aber auch bei Mitbestimmung und Verlagerungen.

  • Mischung mit System

    Geldanlegen wie die Profis - das war lange Zeit nur vermögenden Investoren vorbehalten. Doch jetzt mischen Multi-Asset-Fonds den Markt auf.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Alles im Fluss

    Istanbul steht auf der Liste der beliebtesten Spots für Städtetrips ganz oben. Mit einem privaten Guide kann man die Stadt abseits der Touristenströme entdecken.

  • Welches Preisschild trägt ein Lebenswerk?

    Über Jahre hat Kirsten Schubert im Unternehmen ihres Vaters mitgearbeitet. Bis er unerwartet starb. Statt trauern zu können, musste sie die Firma verkaufen. Ein Erfahrungsbericht.

  • Anstand zahlt sich aus

    Anstand zahlt sich aus

    Der Gründer des Club of Hamburg, Frank Breckwoldt, erklärt, warum sich Wertschätzung und Verbindlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden lohnen.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Deckung oben halten

    Abischerung ist oft nicht das Erste, an das Entrepreneure denken. Doch die Altersvorsorge, die Deckung betrieblicher Risiken zählen.

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

  • Mach dein Ding!

    So manch erfahrener Konzernmanager liebäugelt mit einem Chefsessel im Mittelstand. Und viele Unternehmer suchen dringend einen Nachfolger. So kommen beide zusammen.

  • Digital-Know-how für alle

    Wie externe Beiräte dabei helfen, Unternehmen einen Weg durch die digitale Revolution zu weisen.

  • Print ist nicht tot

    Mindshare-Chef Christof Baron erklärt, warum gedruckte Medien im Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt werden und Inhalte so wichtig sind wie der Kanal.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Werbe lieber ungewöhnlich

    Für einen wirksamen Mix aus klassischen und digitalen Instrumenten gehört vor allem Mut zum Wagnis. Experten und Unternehmer verraten, wie Sie ihrer Firma Gehör verschaffen.

  • Glamour + Camping = Clamping

    Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

  • Sophia Saller

    Sport-Stipendiatin des Jahres 2015

    Und die Gewinnerin ist ... Sophia Saller! Die U23-Weltmeisterin im Triathlon und Mathematikstudentin in Oxford wurde zur „Sport-Stipendiatin des Jahres“ 2015 gekürt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick