Exklusiv-Interview: „Agilität ist der Schlüssel“

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Deutschland braucht mehr Tempo bei der Digitalisierung. Dafür zu sorgen ist Aufgabe von Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales. Welche Impulse sie setzen will und welche Parallelen es zwischen ihr und Bertha Benz gibt.

Dorothee Bär: Die Staatsministerin für Digitalisierung möchte bereits vernünftige Strukturen für potenzielle Nachfolger im Amt schaffen.

Dorothee Bär: Die Staatsministerin für Digitalisierung möchte bereits vernünftige Strukturen für potenzielle Nachfolger im Amt schaffen (Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Lokaltermin im Bundeskanzleramt. ­Redakteure des DUB UNTERNEHMER-Magazins haben sich in Berlin mit Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) verabredet, um in einem Exklusivinterview ihre Pläne zur Digitalisierung zu erörtern und eine ­erste Zwischenbilanz zu ziehen. Das Treffen geriet dyna­misch – ein Sinnbild der digitalen Rasanz, aber auch der Bedeutung des Themas: Wir sprachen in Bärs Büro, im Aufzug des Kanzleramts, bei einer Autofahrt zum Bundestag und im dortigen Foyer – zwischenzeitlich hielt die umtriebige Staatsministerin im Plenum eine kurze Rede.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die Bundesregierung sieht die Digitalisierung als zentrale Herausforderung an, hat aber kein Digitalministerium eingerichtet. Fehlt es an der nötigen Konsequenz?

Dorothee Bär: Ganz im Gegenteil. Das Thema Digitalisierung mit mir als Staatsministerin ist im Kanzleramt angesiedelt, im direkten Umfeld der Bundeskanzlerin. Das halte ich für einen großen Vorteil. Die Anziehungskraft des Kanzleramts für nationale und internationale Gesprächspartner ist enorm. Entscheidend ist doch, wo man für das Thema den größten Einfluss geltend machen kann. Da hat das Kanzleramt natürlich eine herausgehobene Stellung, die sich für die Koordinierung der Digital­themen zwischen den Ministerien sehr gut nutzen lässt. Ich bin aber für alle Denkmodelle offen, man kann auf unterschiedlichen Wegen dem Thema Schubkraft und den nötigen Stellenwert verleihen. Bayern etwa hat nun ein eigenes Digitalministerium eingerichtet. Auch das sendet ein starkes Signal. Jedes Modell hat seine eigenen Vorzüge.

Also: kein Optimierungsbedarf bei ihnen?

Bär: Doch, natürlich. Wir könnten sofort 20 Leute mehr beschäftigen. Und mir geht vieles zu langsam: Mein Amt hätte man schon vor neun Jahren einführen können. Aber ich schaue nicht zurück, sondern nach vorn. Es geht darum, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen. Sicherlich kann die Digitalisierung nicht isoliert betrachtet werden, alle Ministerien müssen mitziehen. Deshalb war es auch wichtig, dass wir Mitte November eine zweitägige Digitalklausur mit dem gesamten Kabinett veranstaltet haben. Das war schon ein Ausrufezeichen.

Was müsste geschehen, damit sich die Digitalkultur in der Bundespolitik noch schneller durchsetzt?

Bär: Zum einen dürften alle Bundesminister nicht älter als 20 Jahre sein – und müssten mindestens eine Million Abonnenten auf Insta, YouTube und Co. haben und mehr an Flausch als an Shitstorm interessiert sein. Doch Scherz beiseite: Wir verzeichnen schon erste gute Erfolge.

Geben Sie ein Beispiel?

Bär: Noch vor ein paar Monaten hätte es wie eine Utopie geklungen, dass wir gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium die Betaversion eines digitalen Verwaltungsportals launchen. Wir sind am 20. September mit einem Prototyp gestartet und lassen diesen von den Bürgerinnen und Bürgern bewerten. Für mich ist das mehr als eine kleine Revolution. Ich versuche, die bestehenden Strukturen fortlaufend zu verändern, was auch in Teilen gelingt. Davon wird meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger profitieren.

Teil 1: Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Teil 2: Flugtaxis als digitales Leuchtturmprojekt?

Teil 3: Dorothee Bär über Vorteile der Digitalisierung

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