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Wenn Europa wankt, zittert die Welt
US-Präsident Obama warnt vor Auswirkungen auf die USA, Japans Finanzminister fürchtet eine Pleite Griechenlands, China will sogar als Retter einspringen: Die Euro-Krise löst weltweit große Sorgen aus.
Auf den ersten Blick wirkt es absurd. Da mahnt der Präsident eines der weltweit höchstverschuldeten Länder die Europäer, in der Schuldenkrise mehr Einsatz zu zeigen. "Solange die Euro-Krise nicht gelöst ist, werden wir weiterhin Schwächen in der Weltwirtschaft sehen" warnt Barack Obama in einem Interview mit mehreren Nachrichtenagenturen und fordert die Staaten zu einem entschlossenen Kampf auf.
Doch die ungewöhnlich deutlichen Aussagen zeigen: Die eskalierende Schuldenkrise ist längst nicht mehr ein europäisches Problem. Die Verwerfungen an den Anleihen-, Devisen- und Aktienmärkten und die Folgen für die Realwirtschaft lässt Staaten rund um den Globus erzittern. „Wir leben heute in einer integrierten Weltwirtschaft. Das, was jenseits des Atlantiks oder des Pazifiks geschieht, hat gewaltigen Einfluss auf Amerika, auf unseren gesamten Kontinent, nicht nur auf die USA“, sagte er.
„Griechenland ist derzeit offensichtlich das größte Problem. Sie unternehmen zwar Schritte, um die Krise zu mildern - aber nicht, um sie zu lösen“, kritisierte Obama. Das größere Problem sei aber, „was passiert in Spanien und Italien, wenn es die Märkte weiterhin auf diese beiden großen Länder in Europa abgesehen haben“. Die Krise werde beim nächsten Treffen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer im November in Frankreich ein wichtiges Thema sein.
Wie ernst die USA die Bedrohung nehmen, zeigt auch, dass US-Finanzminister Timothy Geithner Ende der Woche überraschend an einem Treffen seiner Kollegen aus der kriselnden Eurozone in Polen teilnehmen wird. Geithner wolle mit den europäischen Ministern über Schritte zur Kräftigung der Wirtschaft und die transatlantische Zusammenarbeit bei der Regulierung der Finanzmärkte beraten, teilte sein Ministerium mit.
Geithner hatte erst am Wochenende beim Treffen der Ressortchefs der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) für ein größeres Engagement der starken Volkswirtschaften für Krisenländer wie Griechenland geworben. „Europa muss kraftvollere Maßnahmen ergreifen, um Vertrauen zu schaffen, dass es seine Krise überwinden kann und will“, schrieb Geithner in einem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Beitrag für die „Financial Times“. Er drängte die Regierungen der Euro-Zone auch zu mehr Kooperation.
China investiert massiv in Euro-Anleihen
China unternimmt bereits konkrete Schritte, um aktiv an der Eindämmung der Schuldenkrise mitzuarbeiten. Die Financial Times hat berichtet, dass China plant, im großen Stil italienische Staatsanleihen zu kaufen. China hatte in den vergangenen Monaten bereits in Staatsanleihen verschiedener europäischer Krisenländer investiert. Mittlerweile sind rund ein Viertel der chinesischen Währungsreserven in Euro-Anleihen investiert.
Nach Angaben der italienischen Regierung ist der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti bereits in der vergangenen Woche mit führenden Investment-Vertretern Chinas zusammengekommen. Zum Inhalt der Gespräche machte das Finanzministerium in Rom am Dienstag keine Angaben. Kreisen zufolge gehörten zur chinesischen Delegation der Chef der China Investment Corp. sowie für Investitionen und Rentenmärkte zuständige Regierungsvertreter. Das chinesische Außenministerium erklärte am Dienstag, die Regierung in Peking vertraue Europa bei der Bewältigung der Schuldenkrise. Die Volksrepublik hoffe, dass Europa die chinesischen Investitionen in der Region bewahren kann.
Die Sorgen wachsen auch in Tokio. Nach Italiens Hilferuf an China hat sich Japan jedoch noch zurückhaltend zu einem eigenen Einsatz in der Euro-Schuldenkrise geäußert. Die Tokioter Regierung erwarte alle denkbaren Schritte Europas, um eine Staatspleite Griechenlands zu verhindern, sagte Finanzminister Jun Azumi am Dienstag. Es hänge zunächst vom Vorgehen Europas ab, ob Länder wie Japan, China oder die USA wirklich eingreifen würden, fügte Azumi hinzu. Für jedes Land sei es wichtig, seine Haushalte zu sanieren und das Marktvertrauen in seine Staatsanleihen auszubauen. Japan und die USA haben selbst einen enormen Schuldenstand.
So wächst die Einsicht, dass die Probleme nur durch eine intensive internationale Zusammenarbeit gelöst werden können. Auch Obama belässt es nicht bei den Mahnung an die europäischen Partner. Er kündigte an, dass seine Regierung versuchen werde, die Krise „intensiv gemeinsam mit den Europäern“ zu lösen.
Quelle: Handelsblatt


