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Sinnvolle Weichenstellung

Dr. Christian Orth
Der Kodex für Familienunternehmen ist die Basis für ein erfolgreiches Miteinander der GeselIschafter – auch beim teilweisen Börsengang.
Vor zehn Jahren hat eine von der Bundesregierung beauftragte Kommission den Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) für börsennotierte Aktiengesellschaften eingeführt. Dahinter stand das Ziel, Grundsätze verantwortungsvoller Unternehmensführung zu etablieren. Zwei Jahre später entwickelte ein Kreis aus namhaften Unternehmern und Wissenschaftlern im Rahmen einer Privatinitiative einen Kodex für Familienunternehmen. Dieser steht inhaltlich in bewusster Abgrenzung zum DCGK.
Erfolgreiches Konzept
Der Familienkodex – zuletzt im Juni 2010 aktualisiert – verfolgt im Grundsatz zwar die gleichen Ziele wie der DCGK. Der Unterschied liegt jedoch in seiner Ausrichtung auf die Spezifika von Inhaberfamilien sowie auf die Bedürfnisse von Familienunternehmen. Das Konzept der speziellen Ausrichtung kommt an: In Deutschland hat bereits rund ein Viertel aller Familienunternehmen eine Familienverfassung erarbeitet. Eine überwiegende Mehrheit plant, dies in den nächsten Jahren ebenfalls zu tun. Als optimale Corporate Governance – bestehend aus Family Governance und Business Governance – definiert der Kodex die Führung und Kontrolle des Familienunternehmens. Diese sollte sich vor allem an der Sicherstellung des langfristigen Erfolgs sowie am langfristigen Verbleib des Unternehmens im Familienbesitz ausrichten. Die Richtlinien führen dazu, dass die Mitglieder der Inhaberfamilie und alle weiteren involvierten Akteure die wesentlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Firma aufgreifen, im Konsens regeln und verbindlich beachten. Dies betrifft zum Beispiel die Unternehmensstrategie und -führung, die Gewinn- und Entgeltverteilung sowie alle Aspekte der Nachfolgeplanung. Im Ergebnis zieht der Familienkodex Entscheidungsbedarfe zeitlich vor, indem bei seiner Erstellung Grundsatzentscheidungen sowie Konfliktpotenziale vorab geregelt werden.
Klare Strukturen
Erwägen die Familienmitglieder, ihr Unternehmen auch Dritten gegenüber öffnen zu wollen, stellt sich die Frage, ob ein Familienkodex dem Vorhaben zuträglich ist. Zunächst erscheint dies zweifelhaft, da per Definition der langfristige Verbleib des Unternehmens im Familienbesitz angestrebt wird. Doch die Vorbehalte sind unbegründet: Der Familienkodex kann das Rahmenkonzept für einen partiellen Börsengang liefern und besonders die Fragen der Positionierung der Inhaberfamilie im Verhältnis zu Dritten regeln und offenlegen.
Aufgrund der im Familienkodex enthaltenen Teilkomponenten der Family Governance sowie der Business Governance lassen sich klare Strukturen erarbeiten, die für potenzielle Investoren nachvollziehbar und im Idealfall mit ihren Zielsetzungen in Einklang zu bringen sind. Hier zeigt sich die Stärke des Familienkodex gegenüber dem DCGK: Er bildet ein flexibles Rahmenkonzept, dem sich die involvierten Parteien mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung unterwerfen. Anders als beim DCGK steht es diesen Parteien frei zu regeln, ob und wie Verstöße sanktioniert und welche Mediationsprozesse ergriffen werden. Mit einem Familienkodex können sie somit die Weichen für den Gang an den Kapitalmarkt frühzeitig stellen.
Dr. Christian Orth, Head of Corporate Governance, ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner bei Ernst & Young.
Sie erreichen ihn per E-Mail: christian.orth@de.ey.com


