Nachkaufintegration
Prozesse beschleunigen

Marinus Eßer, Steuerberater bei Ernst & Young
Im Rahmen einer Akquisition stellt ein Unternehmenskauf besondere Herausforderungen an das Controlling.
Nach einem Unternehmenskauf gilt es, die Akquisitionsziele schnell um- zusetzen. Dazu sind operative Kennzahlen sowie Ist- und Planzahlen notwendig, um das Unternehmen steuern zu können. Stehen diese Daten im Rechnungswesen und Controlling des erworbenen Unternehmens nicht rechtzeitig oder nicht in geeigneter Qualität zur Verfügung, besteht akuter Handlungsbedarf. Eine Integration der Finanzfunktion von erworbenen Unternehmen in operative Strukturen und Prozesse des Käufers ist oft sehr komplex und sollte daher gut strukturiert angegangen werden. Eine Umsetzung in mehreren Schritten hat sich bewährt:
1. GAP-Analyse
Das Controlling legt zunächst fest, welche internen und externen Informationen wie etwa Steuerungskennzahlen, Covenants oder Earn-Out-Klauseln frühzeitig vorliegen müssen. Kann das erworbene Unternehmen die notwendigen Daten hierfür nicht liefern, müssen kurzfristige Maßnahmen ergriffen werden, um die Informationslücken zu schließen (das englische Wort „gap“ bedeutet „Lücke“).
2. Prozesseffizienz
Im zweiten Schritt hat das Controlling die Aufgabe, alle steuerungsrelevanten Anforderungen effizient in das Tagesgeschäft des erworbenen Unternehmens zu integrieren. Dazu muss es Prozesse im und um das Rechnungswesen analysieren und dieses zwischen den Unternehmen harmonisieren. Erfolgreiche Maßnahmen zeichnen sich durch eine Kombination aus Entzerrung von Tätigkeiten sowie durch die Beschleunigung von Prozessen mittels Vereinfachung, Standardisierung und Automatisierung aus. Neben der rechtzeitigen Informationsbereitstellung stehen hierbei vor allem Kosten und Qualität im Vordergrund.
3. Anpassung von IT-Systemen
Die Integration oder der Austausch be- stehender IT-Systeme beim erworbenen Unternehmen kann mit erheblichen Investitionen verbunden sein. Größere Investitionen im Finanzbereich sollten daher meist erst in einem dritten Schritt im Gesamtkontext der IT-Strategie durchgeführt werden.
Geeignete Maßnahmen müssen systematisch identifiziert und in Umsetzungsstrategien überführt werden. Dabei greifen Unternehmen oft auf externe Unterstützung zurück. So profitieren sie vom Know-how professioneller Berater hinsichtlich verschiedener Prozesslandschaften und der Erfahrung bei der Zusammenführung unterschiedlicher Managementkulturen.


