Kauf & Übergabe
Selbstständigkeit ist keine Frage des Geldes

Der Weg in die Selbstständigkeit muss nicht unbedingt über die Neugründung einer eigenen Firma führen. Beim Kauf eines Unternehmens im Rahmen einer Nachfolgelösung gibt es ein erprobtes Geschäftsmodell inklusive.
Mehr als 417.000 Existenzgründer haben laut Institut für Mittelstandforschung im vergangenen Jahr den Weg in die Selbstständigkeit vollzogen. In den meisten Fällen entscheiden sich die angehenden Firmeninhaber für die Neugründung eines Unternehmens. Diese Alternative bietet eine Reihe von Vorteilen. So ist der Kapitalbedarf im Vergleich zu einem Unternehmenskauf geringer, was die Finanz- und Liquiditätsplanung erleichtert. Zudem besteht nicht die Gefahr, Altschulden beziehungsweise versteckte Verbindlichkeiten zu übernehmen.
Markteintritt mit Risiken
Doch birgt eine Neugründung auch Probleme. Wer bei Null anfängt, tut dies in der Regel mit einem neuen Geschäftsmodell, das sich erst noch in der Praxis bewähren muss. Die Kunden- und Lieferantenbeziehungen sind unerprobt, und die interne Organisation muss sich erst entwickeln. Auf den Gründer wartet also viel Arbeit und er sieht sich mit einem großen Maß und Unwägbarkeiten und Ungewissheit konfrontiert.
Unternehmenskäufer haben Vorteile
Wer ein bestehendes Unternehmen kauft ist hier klar im Vorteil. Als Unternehmensnachfolger übernimmt man einen bestehenden Kunden- und Lieferantenstamm, erfahrenes Personal und eingespielte Prozesse, die sich in der Regel über Jahre bewährt haben.
Bei fachlicher und persönlicher Eignung des Unternehmensnachfolgers sind die Aussichten für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens auf dieser Grundlage exzellent.
Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Allerdings können die Strukturen, in denen sich Mitarbeiter eingerichtet haben, sowie Befindlichkeiten von langjährigen Kunden auch ein Hemmnis darstellen, wenn der neue Chef alte Zöpfe abschneiden und seine Modernisierungspläne im Unternehmen realisieren will.
Kapitalbedarf nicht das Problem
Die weitaus größere Herausforderung liegt in der Finanzierung des Unternehmenskaufs. Viele Existenzgründer lassen sich von vermeintlich hohen Kaufpreisen abschrecken und entscheiden sich für den Weg der Neugründung. Ein oftmals vorschneller Entschluss. Schließlich lasen sich im Rahmen einer Unternehmensübernahme Umsätze und Kosten sehr gut kalkulieren.
Auf Basis einer geprüften Datenlage können Prognosen über die zu erwartende Geschäftsentwicklung untermauert werden. Dies erleichtert es dem Unternehmer in spe, Finanzierungspartner für sein Projekt zu finden.
Viele Finanzierungsoptionen
In der Regel wird ihm das nötige Eigenkapital fehlen, um die Übernahme aus eigener Kraft zu stemmen. In den meisten Fällen stellt ein Bankendarlehen einen wesentlichen Finanzierungsbaustein dar. Doch es gibt Alternativen. So ist etwa die Zusammenarbeit mit einer privaten Beteiligungsgesellschaft denkbar, die dem Neu-Unternehmer neben dem Kapital auch mit Know-how und aktiver Beratungsleistung zur Seite steht.
Zudem stellen die 18 Bürgschaftsbanken in den einzelnen Bundesländern Fördermittel bereit und begleiten Finanzierungsvorhaben mit Bürgschaften und Bankgarantien. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Earn-Out-Modell. Hierbei zahlt der Käufer nur einen Teil des Kaufpreises sofort.
Der Verkäufer behält eine Minderheitsbeteiligung an seinem Unternehmen. Im Kaufvertrag werden weitere Zahlungen festgelegt, deren Höhe von den zukünftigen Gewinnen abhängt. Die Earn-Out-Periode dauert im Regelfall maximal fünf Jahre.
Gefragter Unternehmergeist
Mit der Vielzahl der Finanzierungsmöglichkeiten relativiert sich der im Vergleich zur Neugründung hohe Kapitalbedarf, den eine Unternehmensübernahme im Allgemeinen mit sich bringt. Damit wird eine Unternehmensbeteiligung heutzutage nicht allein durch die Frage nach dem Eigenkapital dominiert.
Viel wichtiger sind die unternehmerische Vision und das Engagement – dann steht dem Schritt in die Selbstständigkeit nichts mehr im Wege.
Autor: Michael Grote, Geschäftsführer der Deutschen Unternehmerbörse DUB.


