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Beratung & Finanzierung

Ist nach der Finanzkrise vor der Finanzkrise?

Britta Becker

Jede Unternehmensübernahme wirft die Frage der Finanzierung auf. Die Lage am Kapitalmarkt erfordert, sich jetzt Liquidität zu sichern.

Viele Unternehmer, Manager und auch Investoren stellen sich angesichts der jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten die bange Frage, welche Auswirkungen diese auf die aktuelle und zukünftige Finanzierung ihres Unternehmens haben. Spätestens seit der letzten Finanzkrise ist allen deutlich, dass eine solche schnell auf die Realwirtschaft übergreifen kann und spürbare Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie hat. Die Finanzierung ist mittlerweile im Blickfeld der Entscheider richtigerweise als die DNA der Strategie angekommen.

Möglichkeiten ausschöpfen

Denkt man bei der Finanzierung zunächst an die Fremdfinanzierung, rückt die Finanzierung durch Eigenkapital oder den internen Cashflow – beispielsweise durch effizientes Working-Capital-Management – erst später in den Fokus. Eine solide Optimierung und Sicherstellung der Finanzmittel setzt aber die parallele Strukturierung der Finanzierungssäulen voraus. Grundsätzlich ist für die Aufnahme von Fremdkapital auf dem Kapital- oder Kreditmarkt zu beachten, dass die Risiko- und Liquiditätsaufschläge in den vergangenen Wochen durch die Verunsicherungen der Finanzmärkte und der noch nicht verabschiedeten Rettungsmaßnahmen insbesondere im Non- Investment-Grade-Bereich signifikant gestiegen sind. Dies hat eine Verteuerung der Zinsen bewirkt. Im Investment-Grade-Bereich hingegen ist der Anstieg aktuell noch moderat. Diese Risikoklasse wird nach wie vor stark von Investoren, also Anlegern und Banken, nachgefragt.

Mittelfristig vorsorgen

Im Non-Investment-Grade-Bereich sind eher Zurückhaltung beziehungsweise sehr selektive Prüfung festzustellen. Von einer Kreditklemme ist jedoch aktuell nichts zu bemerken. Sollte sich die Verunsicherung aber zuspitzen, muss man sich bewusst sein, dass unterstützende Maßnahmen durch die Staaten wie in der letzten Finanzkrise diesmal kaum in Betracht kommen. Der Grund: Die Finanzierungsmöglichkeiten der EU-Mitgliedsländer durch den Rettungsschirm sind bereits signifikant belastet beziehungsweise verbraucht. Unternehmen sind daher gut beraten, sich in den kommenden Monaten mit ausreichender Liquidität auf diesen Märkten mittelfristig einzudecken. Die Aufnahme von Eigenkapital auf dem Kapitalmarkt oder durch Einzelinvestoren (Fonds) zeichnet sich ebenfalls durch Zurückhaltung sowie die intensive Prüfung beziehungsweise Auswahl der Finanzierungspartner aus – gerade aufgrund der genannten Turbulenzen. Verhandlungen sollten rechtzeitig begonnen werden.

Potenziale nutzen

Die Optimierung des Working Capitals ist lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden. Dabei liegen Finanzierungsquellen oft direkt vor der Haustür. Erfahrungen zeigen, dass das Optimierungspotenzial in der Regel bei fünf Prozent des Umsatzes liegt. Deshalb sollte eine ernste Prüfung vorgenommen werden. Festzuhalten bleibt: Aktuell besteht zwar kein Grund zur Panik. Dennoch sind Unternehmen gut beraten, wenn sie jetzt damit beginnen, ihre Finanzierung für die nächsten Jahre zu sichern.

Britta Becker „Unternehmen sind gut beraten jetzt ihre Liquidität für die nächsten Jahre zu sichern“

Kontaktdaten

Sie erreichen Britta Becker per E-Mail unter britta.becker@de.ey.com

Britta Becker ist Partnerin und leitet den Bereich Capital & Debt Advisory bei Ernst & Young